Craniale Manuelle Therapie

Craniale Manuelle Therapie – wie sie in der CRAFTA Weiterbildung gelehrt wir.

Was ist craniale manuelle Therapie

Mit kranialer manueller Therapie ist gemeint: Assessment und Behandlung durch passive Bewegungen (Bewegungen durch den Therapeuten ausgeführt) des Schädels und des Gesichtknochen. Während der Untersuchung werden drei Parameter untersucht: Resistance (Widerstand), Rebound und persönliche (individuelle ) Reaktion. Siehe auch Abb.1.

  • Resistance: ist die Anwesenheit und die Qualität der Reaktion des Gewebes, der während des zunehmenden Drucks bei den passiven Bewegungen vom Therapeut registriert wird (Maitland et al 2013).
  • Rebound: ist eine Reaktion des kranialen Gewebes auf Kräfte wenn z.B. eine passive Bewegung ausgeführt wird. Diese Reaktion basiert auf der Umwandlung der Kräfte überwiegend zwischen den cranialen Knochenstrukturen, was auch „Stress- Transducer- System“ genannt wird (Oudhof 2001, Proffit 2013).
  • Persönliche (individuelle) Reaktionen können unterteilt werden in:
    • Sensorische Reaktion: ist die persönliche Erfahrung des Patienten während der Durchführung der cranialen passiven Bewegung wie Schmerzen, Schwindel, Tinnitus, schweres Körpergefühl etc.
    • Physikalische Reaktion des Körpers: auf passive craniale Bewegungen wie z. Bsp. Hautrötung und Hauttemperatur, veränderter Muskeltonus, nasale Atmung, motorisches Ausdauer, etc.

Klinisch lassen sich diese Reaktionen verschieden klassifizieren. Sensorische und physikalische Reaktionen können während der Behandlung auftreten, oder aber auch mit einer Verzögerung innerhalb von 6 Stunden, 24 Stunden oder einigen Tagen.

01 Manual Cranial Therapy De
Arthrokinematisches Modell einer funktionellen Einheit nach van Roy 2004. Das Cranium adaptiert auf externen Druck dominant durch Spannung und Verformung (geringe Bewegungsfreiheit) und hat dadurch gewisse Anpassungsfähigkeiten (Compliance )

Diese drei Parameter werden untersucht mit 6 Standard-Tests, wenn notwendig gefolgt von spezifischen tests. Abnormale Befunde wie gesteigerter Widerstand, reduzierter Rebound und Reproduktion der Symptome des Patienten (sensorische Reaktionen) können Informationen geben, welches klinische Muster (wie z.B. Post -traumatische Kopfschmerzen, einseitiger subjektiver Tinnitus, Gesichtstrauma, chronische (pseudo) Sinusitis oder pädiatrische Ohrschmerzen) vorhanden ist.

Die Parameter basieren auf dem Beweis von craniellen Wachstumsmodellen aus der Kieferorthopädie, plastischen Chirurgie und der neuronalen Chirurgie, (Smith und Josell 1986, Proffit 2013) sowie dem neuesten pathobiologischen Wissen aus der Schmerzwissenschaft und Innervation des cranialen Gewebes (Schueler  et al 2013).

02 Cranial Manual Therapy

Was ist der Unterschied zwischen cranialer manueller Therapie (CM) und Craniosakral-Therapie (CS)?

Es gibt starke klinische Beweise dafür, dass craniale passive Bewegungen Beschwerden und Funktionen bei Menschen ändern können. Für einen guten Überblick über die verschiedenen Modelle wird auf das exzellente Buch von Chiatiow, „Cranial Manipulation. Theory and Practice“ verwiesen (Chiatow 2005). Die meisten dieser Modelle werden durch den kranialen- sakralen Rhythmus angetrieben, welcher eine zyklische Bewegung aller Körpergewebe mit der Bewegung der Spinalflüssigkeit assoziiert und wird „primärer Atemmechanismus“ genannt. Also:

  • CM basiert auf Wachstumsstudien aus den Bereichen Kieferorthopädie, plastische Chirurgie und Neurochirurgie. Dies steht im Gegensatz zu den Vorstellungen der CS und dem primären Atemmechanismus.
  • CS basiert auf biomechanischen / anatomischen Modellen. CM orientiert sich an funktionellen / biologischen / pragmatischen Modellen.
  • Die Behandlungsziele sind unterschiedlich:
    • CM verwendet Assessments und Behandlungstechniken um klinischen Zeichen (Resistance, Rebounce, Responsen) zu finden, wohingegen CS sehr auf Veränderungen von Strukturen und Systemen (Sutur, Herzkammer, psycho-emotionale Systeme) fokussiert ist.
    • CM integriert direkte craniofaziale Funktionen wie: Atem-Zungen Übungen/ Training. CS bleibt aufgrund des "Selbstheilungs-Mechanismus" des Körpers passiv.

Craniale Manuelle Therapie gibt vor nicht…

  • die Nähte (Suturen) zu mobilisieren, weil aus mehreren Studien bekannt ist, dass mehrere Kilogramm nötig sind, um eine minimale Nahtbewegung zu erzielen (Downey et al 2005).
  • Flüssigkeit aus Ventrikel zu verdrängen und dort Effekte auf den craniosakralen Rhythmus zu begründen (aus Mangel an Beweisen) (Sommerfield 2004).
  • passiv zu sein mit einem "wait and see"-Ansatz nach der Behandlung.

Craniale Manuelle Therapie gibt vor…

  • Eine systematische Analyse abnormaler Spannungen im Schädelgewebe mit Betonung der Schädelknochen durchzuführen und mit den Beschwerden der Patienten, ausgedrückt in den drei Parametern (Resistance, Rebound und sensorische Reaktion) und den Schmerzmechanismen und Klassifizierung von Schmerzen zu verbinden.
  • Biologische Funktionen von cranialem Gewebe während Wachstum und Verringerung der Nozizeption (oft mehrere kleinere Nozizeptionen) im craniofazialen Gebiet zu unterstützen, die Funktion wiederherzustellen und die craniofaziale Organfunktion zu stimulieren.

Gibt es Evidenzen für CMT?

Es wird vorgeschlagen, dass die Spannungs- und Anpassungsfunktion der Schädelknochen von craniofazialen (Dys-)Funktionen beeinflusst werden kann (Gabutti und Draper 2014) und dass pericraniales Gewebe direkt die meningeale Nozizeption beeinflussen kann mit Symptomen wie Kopfschmerzen (Schüler 2014), aber es gibt nicht eine systematische Wirkungsstudie basierend auf diesem Hintergrund.

In einem systematischen Review von Krützkamp et al (2014) über das Ergebnis der Behandlung des craniofazialen Gewebes durch passive Bewegungen wurden 37 Studien identifiziert, in denen es um kieferorthopädische Schienentherapie, craniosakrale oder manualtherapeutische passive Maßnahmen ging. Alle hatten eine schlechte methodische Qualität, kleine Gruppen und nur sehr wenige Beweise konnten bezüglich der Ergebnisse aller Therapieansätze bei Kopfschmerzen und psychogenen Problemen identifiziert werden.

In 2018 wurde von Hanskamp et al eine Studie zur Interraterzuverlässigkeit der sechs Standardtests aus dem CRAFTA® Konzept beenden (Hanskamp et al 2019). In dieser Studie wird die Forschungsfrage untersucht, ob die Techniken unterscheiden zwischen Probanden mit und ohne CMD bzw. HWS Schmerzen in vergleich mit einen Kontrollgruppe  

(Is there a difference in response to manual cranial bone tissue techniques between participants with cervical and/or temporomandibular complaints versus a control group? An explorative study, Handkamp M, Armijo-Olivio S, von Piekartz H. J, JBMT , 2019)

Referenzen

  • Chiatow L , Cranial Manipulation Theory and Practice , 2nd Edition, 2005, Elsevier, Chruchil Livingstone, Edinghburgh
  • Downey PA1, Barbano T, Kapur-Wadhwa R, Sciote JJ, Siegel MI, Mooney MP. Craniosacral therapy: the effects of cranial manipulation on intracranial pressure and cranial bone movement. J Orthop Sports Phys Ther. 2006 Nov;36(11):845-53.
  • Gabutti, M ,Draper-Rodi J Osteopathic decapitation: Why do we consider the head differently from the rest of the body? New perspectives for an evidence-informed osteopathic approach to the head International Journal of Osteopathic Medicine (2014) 17-23
  • Krützkamp L, D Möller, von Piekartz H. Influence of Passive Movements to the Cranium systematic Literature review. Manuelle Therapie 2014; 18: 183–192
  • Maitland G, Hengeveld E, Banks K, English K. Vertebral manipulation, 6th ed. Oxford: Butterworth-Heinemann; 2013
  • Meßlinger, K., Schüler, M., Dux, M., Neuhuber, W. L., De Col, R. Innervation extracranialer Gewebe durch Kollateralen von Hirnhautafferenzen. Neue Einsichten in die Entsehung und Therapie von Kopfschmerzen. Manuelle Medizin, 54(5), 307-314; 2016
  • Oudhof H. Skull growth in relation to mechanical stimulation. In: von Piekartz H, Bryden L. Cranialfacial Dysfunction and Pain, Assessment, Manual Therapy and Management. Oxford: Butterworth-Heinemann; 2001
  • Proffit WR. Contemporary Orthodontics. 5nd St. Louis: Mosby Year Book; 2013

  • Schueler M1, Messlinger K, Dux M, Neuhuber WL, De Col R. Extracranial projections of meningeal afferents and their impact on meningeal nociception and headache 2013, Sep;154(9):1622-31
  • Sommerfeld P1, Kaider A, Klein P. Inter- and intraexaminer reliability in palpation of the "primary respiratory mechanism" within the "cranial concept". Man Ther. 2004 Feb;9(1):22-
  • Smith R, Josell The plan of the human face: a test of three general concepts. Am J Orthod. 1984 Feb;85(2):103-8.

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